MANGELNDER IMPFSCHUTZ BEI JUGENDLICHEN UND ERWACHSENEN HERZFEHLERPATIENTEN

Große Lücken bestehen im Impfschutz von Patienten mit schwerem angeborenem Herzfehler. Das fanden Wissenschaftler des Deutschen Herzzentrums München zusammen mit dem Nationalen Register für angeborene Herzfehler e. V. in einer gemeinsamen Befragung heraus.

In Deutschland gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts Empfehlungen heraus, welche Impfungen jedes Kind und jeder Erwachsene erhalten sollte. Generell werden allen Menschen reguläre Standardimpfungen (z. B. Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Masern) empfohlen. Zusätzlich rät die Kommission Betroffenen mit angeborenen Herzerkrankungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Herzfehler zur jährlichen Schutzimpfung gegen die saisonale und die Schweinegrippe sowie zur Impfung gegen Pneumokokken.

Mit der Befragung, an der 285 jugendliche und erwachsene Herzfehlerpatienten - bzw. deren Eltern - ab elf Jahren teilnahmen, wollte das Forscher-Team unter Leitung von Prof. Dr. Alfred Hager herausfinden, inwiefern Menschen mit einem schweren angeborenen Herzfehler geimpft sind und warum sie Impfungen eventuell nicht wahrnehmen.

Wie sich zeigte, hatte die Mehrzahl der befragten Betroffenen ab elf Jahren (93 %) die regulären Standardimpfungen wahrgenommen. Dieser Wert ist vergleichbar mit Zahlen, die zur Allgemeinbevölkerung vorliegen.

Menschen mit Herzfehler brauchen zusätzliche Impfungen

Weit weniger der Befragten hatten allerdings die Impfungen erhalten, die für diese Patientengruppe wegen ihrer erhöhten Gefährdung zusätzlich empfohlen werden. Während immerhin noch 64 % gegen die saisonale Grippe geimpft waren, bestand ein Impfschutz gegen die Schweinegrippe (H1N1) lediglich bei 30 %. Aber auch bei der jährlichen Schutzimpfung gegen die saisonale Grippe zeigten sich Defizite: nur knapp die Hälfte der gegen diese geimpften Teilnehmer ließen sich tatsächlich jährlich impfen, wie es empfohlen und für einen ausreichenden Schutz als notwendig erachtet wird. So nahmen die meisten von ihnen nur sporadisch Impfungen wahr oder erhielten gar nur einzelne Injektionen. Gegen Pneumokokken waren nur 27 % der Teilnehmer ab elf Jahren geimpft, obwohl diese Impfung, außer bei Immundefekten, nur einmalig verabreicht werden muss.

Angst vor Nebenwirkungen und fehlende Information sind der Hauptgrund für mangelnden Schutz

Als Hauptgrund für nicht wahrgenommene Impfungen gaben die Befragten an, nicht ausreichend darüber informiert zu sein. Die Angst vor Nebenwirkungen hielt zudem viele Patienten von der Impfung gegen Schweinegrippe ab. Diejenigen, die gegen die Schweinegrippe geimpft waren, berichteten außerdem von Problemen in der Impfsaison 2009/10, den Jahren der H1N1-Grippepandemie: hier war es wegen Lieferengpässen häufig zu Verzögerungen gekommen.

Mit Blick auf die Studienergebnisse betonen die verantwortlichen Wissenschaftler die Bedeutung einer angemessenen und rechtzeitigen Aufklärung über verfügbare und je nach Krankheitsbild empfohlene Impfungen. Besonders bei Vorkommnissen wie der Schweinegrippe-Pandemie der Jahre 2009/10 fordern sie effektive Strategien, um besonders gefährdete Patienten wie die mit schweren angeborenen Herzfehlern schnell und sicher zu versorgen. Als besonders wichtig wird dabei die Kommunikation zwischen Ärzten und den von ihnen betreuten Patienten angesehen.

Weiterführende Informationen zu Impfungen auf den Seiten des RKI.

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